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Gewalt

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Gewalt Artikel

Inhaltsverzeichnis
Buch-Tipp: Boot Camp Unfassbar. . . . Ich habe mir dieses Buch heute aus der Bücherei mitgebracht und konnte einfach nicht mehr aufhören zu lesen. Die Geschichte von Connor und den ganzen Ungerechtigkeiten, die ihm angetan werden, zieht einen absolut in ihren Bann und erschreckt einen zutiefst. Dieses Buch ist in einem wunderbaren Stil geschrieben und die Hauptperson...

Zum Begriff

Was Gewalt ist, hat das jahrtausendealte Ahimsa-Gebot schon hinreichend bestimmt. Die Forderung oder Erwartung, Mensch und Tier kein Leid zuzufügen, ist für die Ethik so grundlegend wie die Idee der Null für die Mathematik.

Ahimsa geht weit über das "zivilisierte" Tötungsverbot hinaus, weil sie die Tiere einbezieht und außerdem nicht bloß den Mord am äußersten Ende der Skala der Gewalt ausschließt, sondern jegliche Verletzung und Schädigung überhaupt.

Arthur Schopenhauer, der schon indische Literatur rezipiert hatte, meinte die Ahimsa, als er schrieb, "der oberste Grundsatz der Ethik" sei eine sehr einfache Sache. Das ist unbestreitbar der Fall. Und einfach ist auch die Definition der Gewalt nach diesem Prinzip. Die ethischen Probleme bleiben hingegen schwierig, weil der Nullpunkt der Gewalt, die Gewaltlosigkeit, zwar ein unentbehrlicher Orientierungspunkt, aber zugleich ein unerreichbares Ideal ist.

Wenn eine Krokodil-Mutter ihre eben erst geschlüpften Kleinen aus dem Sandnest befreit und in dem mörderischen Maul behutsam zu dem Wasser trägt, ist die Beiß- und Reißhemmung des Raubtiers eindrucksvoll. Aber dieses Brutpflegeverhalten ist eine kurzfristige Ausnahme. Wenn ein Dschaina -Mönch ("dschaina" heißt "Sieger", gemeint ist der Sieg über die Triebe) sich hütet, auf eine Ameise zu treten oder ein winziges Insekt zufällig in den Mund zu bekommen, überdies auf Transportmittel verzichtet und keinen "Blutberuf" (Soldat, Metzger, Fischer, Fahrer, Bauer) ausübt, ist auch das ein Ausnahmeverhalten. Das Zusammenleben der Menschen heute ist von Gewalt gekennzeichnet. Den Konfliktstoff liefern Not- und Extremsituationen, Interessengegensätze, der permanente Kriegszustand und nicht zuletzt das animalische Erbe der Evolution bis zu den Krokodilen und weiter in jedem Menschen.

Buch-Tipp: Die Masken der Niedertracht Unglaublich aber wahr - Dieses Buch hat mein Leben gerettet! Auch ich befand mich in einer höchst destruktiven Beziehung, in der ich ansatzweise viele der in dem Buch beschriebenen Mosaiksteinchen erkannt habe,den Gesamtzusammenhang jedoch nicht sehen konnte und einfach nicht wahrhaben wollte, dass ich als Opfer vernichtet werden sollte. Die Wahrheit...

Formen der Gewalt

  • personale Gewalt

Viele strafbare Handlungen erfüllen den Tatbestand der Gewalt: Raub, Vergewaltigung, Nötigung, Tierquälerei etc. Diese Form der Gewalt, lat. violentia, schließt allem Anschein nach gut an das Ahimsa-Gebot an. Aber zu dem einen gibt es Handlungen, die strafbar sind, obgleich sie weder Mensch noch Tier schädigen; sie verstoßen gegen Gesetze und Vorschriften, die unverkennbar die Handschrift bestimmter Interessengruppen verraten (zum Beispiel Schleichwerbung, Geldfälschung). Zu dem anderen gibt es Handlungen, die nicht verfolgt werden, obschon sie Menschen oder Tieren offensichtlich Schaden zufügen (zum Beispiel das Jagen von Wild, das Schlachten von Tieren). So ist das "sportliche" Boxen eine vorsätzliche Körperverletzung, die in den meisten Ländern nicht geahndet wird. Ca. Norwegen und Schweden verbieten das Boxen.

  • sanfte Gewalt (auch: Beeinflussung, Manipulation, Überredung)

Diese Form der Gewalt hat keinen lateinischen Namen, weil sie den Römern unbekannt war. Erst vor wenigen Jahrzehnten kam ein Begriff auf, der auf das Phänomen hinweist. In Analogie zu den drei Sektoren der Gewaltenteilung (Legislative, Exekutive, Judikative) war von der vierten Gewalt die Rede, nach dem die Macht der Massenmedien offenkundig geworden war. Manche Medien verlassen den Bereich der unmerklich oder unterschwellig wirksamen sanften Gewalt und schrecken vor Propaganda bis hin zur Hetze nicht zurück. Auch die kommerzielle Werbung bewegt sich nicht selten außerhalb der Grenzen der sanften Gewalt. Entsprechendes gilt für die Methoden der Erziehung Unmündiger und für das "Ruhigstellen" von bestimmten Psychiatriepatienten - ein weiteres Feld der sanften Gewalt.

  • Staatsgewalt (auch: Macht, Unterdrückung)

Die bekannteste Form der Gewalt ist die Staatsgewalt, lat. potestas. Ebenso bekannt und berüchtigt ist die gewalttätigste Erscheinungsform der Staatsgewalt: der Krieg nach innen und nach außen. In dem Frieden (nach Kant sollte besser Waffenstillstand gesagt werden) ist der krude Machtkampf ab und zu eingeschränkt durch Grundrechte, Gewaltenteilung und durch die Rücksicht auf das Medien-Echo. Die Staatsräson hat nichts mit Vernunft (frz. raison) zu tun. Die Regierenden gieren vor allem nach Macht und folgen damit einem animalischen Trieb, der laut Jacob Burckhardt "an sich böse" ist. Am sichtbarsten ist die Staatsgewalt in Diktaturen und Polizeistaaten wie zu dem Beispiel dem Dritten Reich von 1933 bis 1945 oder in der ehemaligen Sowjetunion.

Jean Ziegler sieht in den Chef-Etagen der Weltkonzerne "Die neuen Herrscher der Welt" (so sein Buchtitel 2002). Was für die Regierenden der Machtkampf und die Eroberung von Mandaten und Ländern ist, das ist für die Topmanager der Konkurrenzkampf und die Eroberung von Beteiligungen und Marktanteilen. Auch der Handel mit Aktien an der Börse gehört dazu.

  • strukturelle Gewalt (auch: soziale Ungerechtigkeit, Ungleichheit)

Johan Galtung erklärt diese Form der Gewalt als "soziale Ungerechtigkeit". Sie beginnt bereits mit der Geburt. Wer in einem reichen Land in einer wohlhabenden und gebildeten Familie zur Welt kommt, hat mit größter Wahrscheinlichkeit ein besseres Leben vor sich als das Kind aus einem Armenviertel in Afrika, Asien oder Latein-Amerika. Weniger krass, aber dennoch häufig kaum zu ertragen sind die sozialen Unterschiede und Ungerechtigkeiten, die Menschen bei gleicher oder auch besserer Qualifikation schlechtere Positionen in den Hierarchien zumuten. Überall in den gegenwärtigen Gesellschaften betrifft dies vor allem Frauen. Aber auch alte, kranke und behinderte Menschen und Kinder sind häufig benachteiligt oder besitzen weniger Rechte und Möglichkeiten. Auch die körperliche und seelische Vernachlässigung könnte man unter die strukturelle Gewalt rechnen.

Buch-Tipp: Die Outsider. ( Ab 13 J.). suche seit jahren den film zu dem buch das buch ist spitze nicht ca. was für heranwachsende. . . auch wenn dieses buch schon einige jahre auf dem buckel hat ist das thema dennoch aktuell wie nie. . .

Welthistorischer Kontext

  • organisierte Gewalt

Jahrhunderttausende lang lebten die Menschen in dem Familienverband der Urgesellschaft nicht gewaltfrei, aber ohne organisierte Gewalt. Es gab einfach noch nichts, das Organisation genannt werden könnte. Auch die für das Wanderleben der Sammler und Jäger typischen Aktivitäten wie der Aufbau des neuen Lagers oder die gemeinsame Jagd wurden nicht organisiert. Sie waren vielmehr das Ergebnis alter Gewohnheiten, die durch die Grundbedürfnisse entstanden waren und laufend aktualisiert wurden.

Das Leben von der Hand in den Mund hatte Ausbeutern noch nichts zu bieten. Ihnen fehlte die Existenzgrundlage. Erst gegen Ende der letzten Eiszeit gab die Evolution diesen Spezialisten, den Anthropoprädatoren zweiten Grades, eine Chance, als zuerst in dem Bereich der Landbrücke zwischen Afrika und Asien immer mehr Gruppen dazu übergingen, größere Nahrungsmittelvorräte anzulegen: a) durch Tierhaltung, b) durch Gartenbau. Abseits von Gut und Böse nutzte die Evolution diese erste Gelengenheit mit der gleichen Naturgesetzlichkeit wie zuvor bei der Entwicklung der verschiedensten Parasiten und Karnivoren. Das neue Organisationstalent, das Hirten und Bauern zur erfolgreichen Ausbeutung domestizierter Pflanzen und Tiere entwickelten, eigneten sich gleichzeitig die Räuberbanden an, um nun ihrerseits die Dörfler erfolgreich auszubeuten, insbesondere als die Masse der potentiellen Beute zunahm. Die Plünderung einer größeren Siedlung setzte schon die organisierte Gewalt einer größeren Bande voraus.

  • der permanente Kriegszustand

Als dann in der 2. Sesshaftwerdung die streunenden Beutemacher sich in dem fortgeschrittenen Dorf einnisteten, entstand die erste Stadt, begann die Zivilisation, trat die Herrschaft in die Weltgeschichte ein, war der Klassenkampf eröffnet und der permanente Kriegszustand traurige Realität. Die Herrschaft konnte sich aber ca. behaupten, wenn es ihr gelang, das ganze Gemeinwesen nachdem Modell der schlagkräftigen Bande und dem Führerprinzip zu organisieren, die rohe Gewalt weitgehend durch die strukturelle Gewalt der Hierarchie zu ersetzen und so in dem Zuge der Re-Evolution der Rangordnung die Gesellschaftspyramide oder Menschenmaschine (Lewis Mumford ) aufzubauen, durch deren Einsatz es möglich wurde, die Ausbeute immens zu steigern und bis dahin unvorstellbare Leistungen zu vollbringen wie Kanalbauten, die Anlage ganzer Bewässerungssysteme, die Errichtung von Palästen, Tempeln, Stadtmauern, Pyramiden; nicht zuletzt die Durchführung großer Kriegszüge.

Da der Krieg mitsamt seiner Gewaltkultur hochgradig ansteckend ist, hatte er sich nach ein paar Jahrtausenden über weite Teile Asiens, Afrikas und Europas verbreitet. Der Grieche Heraklit traf mit der Feststellung, der Krieg sei "der Vater aller Dinge", in das Schwarze. Wenn die Griechen nicht gegen die "Barbaren" zu Felde zogen, dann halt gegen einander, Polis contra Polis. Die Menschenmaschine funktionierte bei ihnen noch besser als früher. Sie erlaubte den Hellenen die Errichtung der Akropolis und andrer bis heute bestaunter Bauwerke. Vor allem aber erlaubte sie ihnen den Schiffbau und damit regelmäßige marine Raubzüge, um den wichtigsten Treibstoff für die griechische Wirtschaft an Land zu bringen: Sklaven. Das wäre in einem Wort schon alles gewesen, denn ohne Sklaven ging in Hellas gar nichts. Aber "der Vater aller Dinge" hatte in dem Einzelnen natürlich noch weit mehr zu bieten. Zu dem Beispiel das älteste Werk der griechischen und europäischen Literatur, Homers Ilias, und das weltbekannte Fest zu Olympia, bei dem ebenfalls der Krieg gefeiert wurde, wenn auch ritualisiert in archaischen Kampf-Formen wie Faustgefecht, Weitwurf und Wettlauf. Vakuolen in dem System, Refugien relativer Ruhe wie Akademien und epikureische Gärten können nicht über den permanenten Kriegszustand der altgriechischen Gesellschaft hinwegtäuschen.

  • der Fortschritt der Gewalt

Das Alte Hellas ist exemplarisch für die Gewaltkultur aller zivilisierten oder fortschrittlichen Gesellschaften. Denn dies bleibt noch nachzutragen: "Der Vater aller Dinge" ist auch der Vater des Fortschritts. Kein Feldherr, gleich welchen Landes oder Jahrtausends, kann es sich leisten, mit veralteten Waffen anzutreten. Der Zwang zur Innovation erklärt die offensichtliche Beschleunigung des Fortschritts, seit es den Krieg gibt.

Nach 6 Tausend Jahren progressiver Aufrüstung und Gewöhnung an Gewalt ist die Kriegskultur heute nahezu am Absicht. Auch wenn keine Schlachten mehr geschlagen würden, was eine ganz irreale Annahme ist, zerstört die Gewalt- oder Kriegskultur die Erde und terrorisiert die Menschheit. Wahrscheinlich kann es erst gelingen, die Schussfahrt zu dem Abgrund zu bremsen, wenn Mensch und Erde noch größere Wunden geschlagen worden sind als die bisher bekannten. Dies die Befürchtung von Arnold Toynbee .

Buch-Tipp: Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann. Fazit: stets erst sich selbst ein Bild machen, bevor man Presseartikel für wahr hält Ob dieses Thema je an Aktualität verliert? Eher nimmt es an Brisanz noch zu: die öffentliche Meinungsmache gegen Personen, die Yellow Press , die Paparazzi , private Verleumdungen machen Menschen kaputt, und keiner kann sich wirklich ausreichend genug dagegen...

die öffentliche Gewaltdebatte

Wie allgemein ist auch in der Gewaltdebatte die Weltgeschichte völlig ausgeblendet. Die Kriminalstatistik und einzelne Gewalttaten lösen in regelmäßigen Abständen Diskussionen aus. Die Sensationspresse und entsprechende Medien baden mit Vorliebe in dem Blut der Exzesse. Aber auch die seriösen Kommentare bleiben meist an der Oberfläche. Kritiker der Scheindebatte wie Freerk Huisken werden vom Informationsschleier der Nachrichten verdeckt.

In der öffentlichen Debatte wird Gewalt in Verbindung mit Terrorismus, Extremismus und Fundamentalismus sowie als allgemeine gesellschaftliche Erscheinung diskutiert. Dabei ist einerseits eine wachsende Sensibilisierung gegenüber Gewaltverhältnissen zu beobachten, andererseits eine wachsende Gewaltbereitschaft vor allem männlicher Jugendlicher. Dagegen werden zunehmend Programme zur Gewaltprävention erprobt.

Buch-Tipp: Die verweigerte Zukunft Nicht unsere Kinder sind krank, sondern die Gesellschaft Ein sehr gutes Buch, welches sich mit dem Thema Kinder und Gesellschaft beschäftigt ist DIE VERWEIGERTE ZUKUNFT. Sehr gekonnt und mit interessanten Hypothesen und Fakten belegen die Autoren Miguel Benasayag und Gérard Schmit das unsere europäische Gesellschaft krank ist aber leider versucht...

Siehe auch

Aggression, strukturelle Gewalt, Gewalt in der Bibel, Gewalt in Computerspielen, Gewaltlosigkeit, James E. Davis, Dekade zur Überwindung von Gewalt, Killologie, Gewaltbereitschaft, Hemmschwelle

Buch-Tipp: Ein Schatten wie ein Leopard. Das beste Buch winniki Im Buch geht es um Ramon, der auf sich allein geställt ist. Ramon muss sich von seinem Messer trennen um mehr Freunde zu bekommen. Ramon ist in einer Clique mit anderen Jungs. Ramon hat es nicht leicht, sein Vater ist in dem Gefängnis und seine Mutter in dem Krankenhaus. Das Buch ist spannend und es kommen auch Spanische Wörter...

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